Bürgerinitiative Pro Fuchs Ostfriesland e.V.  
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... denn er fühlt wie Du den Schmerz

 

Was hat sich im Wiesenvogelschutz bewährt? 

Was kann getan werden, um die Wiesenvögel in Ostfriesland und Niedersachsen vor dem Aussterben zu bewahren?  

 

 1. Vertragsnaturschutz mit den Landwirten

Was bedeutet dies?

Wikipedia erläutert dies wir folgt: "Unter Vertragsnaturschutz versteht man eine Strategie der Naturschutzbehörden, die Kulturlandschaft oder bestimmte Lebensräume für Tiere und Pflanzen im freiwilligen Zusammenwirken mit Grundstücksbesitzern zu erhalten. Sie stellen für den Vertragszeitraum eine angepasste landwirtschaftliche Nutzung einer Fläche im Sinne des Naturschutzes sicher und ergänzen naturschutzrechtliche Verbote, Anzeige- und Bewilligungspflichten.

Viele Kulturlandschaften sind dadurch gefährdet und im Rückgang begriffen, dass die traditionelle (extensive) Nutzung unter den aktuellen agrarwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr rentabel ist. Der Vertragsnaturschutz bremst den Verlust biologischer Vielfalt, indem er verhindert, dass landwirtschaftliche Flächen aus der Nutzung fallen (Verbrachung) oder intensiviert werden. Beispielsweise ist Vertragsnaturschutz sehr effektiv geeignet, die Vielfalt von Ackerwildkräutern zu erhalten (M. Sommer: Schutz der Ackerwildkrautflora in Bayern - Geschichte und Empfehlungen zum nachhaltigen Schutz auf Grundlage aktueller Erfassungen. ANLiegen Natur 36(2): 19–28, 2014, Laufen).

Mit dem Grundstücksbesitzer, in der Regel einem Landwirt, wird vertraglich vereinbart, bestimmte Nutzungsformen oder Pflegearbeiten auf dem Grundstück vorzunehmen, beispielsweise tierschonendes Mähen von Wiesen oder eine Mahd zu bestimmten Zeitpunkten (D. Van de Poel, A. Zehm: Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen - Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. ANLiegen Natur 36(2): 36–51, 2014, Laufen). Diese Vertragsnaturschutzmaßnahmen haben in der Regel eine Laufzeit von mindestens 5 Jahren und sind darauf ausgerichtet, den Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen zu verbessern, oder die Ziele des europäischen Naturschutzes (Natura 2000) zu unterstützen.

Zuständig für die Antragstellung sind die jeweiligen kreisfreien Städte oder Kreise, sofern sie am Projekt teilnehmen. Die Einhaltung der Vertragsverpflichtungen wird jährlich mit EU-, Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln bezuschusst."

Wie sollte solch ein Vertragsnaturschutz auf den Feldern aussehen?

  • Kein Walzen und Schleppen von Grünlandflächen nach dem 01.03. eines Jahres. Grund: Schutz der Gelege vor maschineller Zerstörung. Kiebitzgelege treten ab Anfang März auf.

  • Keine Mahd vor dem 20. Juni eines Jahres. Grund: Wiesenvogelküken brauchen Deckung, um vor Prädatoren geschützt zu sein. Uferschnepfenküken benötigen höhere Vegetation auch für die Nahrungssuche.
  • Angepasste Weideviehdichten. Grund: Gelege- und Kükenverluste hängen sowohl von der Art der Beweidung (z.B. Rinder, Schafe oder Pferde) als auch von der Dichte des Weideviehs auf der Fläche ab.

  • Angepasste Düngung; kein Gülleauftrag. Grund: Hohe Düngegaben fördern Gräser und drängen Blütenpflanzen zurück. Blütenreiche Grünlandflächen werden aber benötigt, um ein ausreichendes Nahrungsangebot für Uferschnepfenküken zu sichern. Gülleauftrag mit Schleppschläuchen vernichtet während der Brutzeit alle Gelege.
  • Keine Grünlanderneuerung. Grund: Artenarme Grünlandeinsaaten werden von Wiesenvögeln gemieden. Die Prädationsraten in erneuertem Grünland sind erhöht, da z.B. die Küken keinen Schutz mehr durch ihr Flaumkleid haben und im „Einheitsgrün“ sichtbar werden.
  • Keine Umwandlung von Grünland in Ackerland. Grund: Nur wenige Wiesenvogelarten brüten auch auf Ackerland unter bestimmten Bedingungen erfolgreich. Auf Uferschnepfen trifft dies nicht zu. Die Umwandlung von Grünland in Ackerland hat durch die Bodenbearbeitung einen deutlich negativen Einfluss auf das Bodenleben.
  • Kein Einsatz von Pestiziden. Grund: Insektizide schmälern das Nahrungsangebot für insektenfressende Wiesenvogelküken. Herbizide nehmen deutlich negativen Einfluss auf die Struktur und das Pflanzenartenspektrum, und damit auf das Nahrungsangebot für Wiesenvögel.
  • Keine Nivellierung (Glättung) des Bodenreliefs. Grund: Gerade feuchte Bodensenken sind wichtige Lebensraumrequisiten für Wiesenvögel, da sie über einen langen Zeitraum stocherfähige Böden besitzen.

  • Keine Entwässerung von Grünlandflächen (z.B. durch Drainagen). Grund: Wiesenvogelarten wie Uferschnepfe, Brachvogel und Bekassine brauchen stocherfähige Böden. Entwässerungen stehen diesen Ansprüchen diametral gegenüber.
 
  • Keine Aufforstung von Grünlandflächen, keine Anlage von Hecken an Flurstücksgrenzen. Grund: Sowohl die Aufforstungsflächen selbst als auch ihre unmittelbare Umgebung werden von Wiesenvogelarten gemieden. Gelege und Küken unterliegen im Umfeld von Aufforstungen und Hecken einem erhöhten Prädationsrisiko, da Greifvögel und Krähen diese gerne als Ansitz verwenden. 

Kernbrutzeiten (rot) der in Ostfriesland vorhandenen Wiesenbrüter:

·     Rotschenkel ( an der Küste, anders als im Binnenland) Anfang April bis Ende Juni - Haupttermin ist Ende April bis Anfang Mai

·     Bekassine (wenn das bei euch ein Brutvogel ist) Anfang April bis Mitte Juni - Haupttermin ist Mitte April  bis Ende Mai

·     Kiebitz ( an der Küste Mitte März bis Anfang  Juni - Haupttermin ist Mitte und Ende April

·     Großer Brachvogel : Ende März bis Anfang Mai

·     Feldlerche: Anfang April bis Anfang Mai

·     Wiesenschafstelze: Ende April bis Anfang Juni

·     Wiesenpieper: Anfang April bis Mitte Mai

·     Uferschnepfe (an den Küste) Ende April bis Anfang Mai, im Binnenland Mitte April bis Mitte Mai

·     Rohrweihe:  Mitte April bis Ende Juli ! 

Wie wirkt sich solch ein Vertragsnaturschutz auf den Bestand von Wiesenbrütern aus? Schon 2 Beispiele zeigen die unglaubliche Erfolgsrate solcher Maßnahmen.

Aussage aus dem Emder Wiesenvogelschutzbericht: "In den Uphuser Meeren wurden in diesem Jahr wieder einige Vertragsnaturschutzflächen recht spät gemäht (Mitte Juni), so dass hier keine zusätzlichen Kükenschutzflächen erforderlich waren." 

Aussage einer Biologin, welche einige Flächen in Ostfriesland, die alle im Vertragsnaturschutz sind, auf Bruten bei den Wiesenbrütern kontrolliert und diese Fläche NICHT betritt, sondern um die Felder herum geht: "Von den entdeckten Wiesenlimikolennestern gab es eine gute Erfolgsrate in Schlupf und Aufzucht der Küken." Sie betrat die Flächen niemals, da z.B. das Aufstellen von Kameras sowie das Aufsuchen von Gelegen zu Studienzwecken Beutegreifer erst auf die Gelege aufmerksam machen und sie gefährden (Quelle: „Predatie bij weidevogels - Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand“ Niederländische Studie von Wolf Teunissen Hans Schekkerman Frank Willems).

2. Elektrozäune

NABU Niedersachsen sagt dazu 2017: "Wenn die Helfer mit ihren Ferngläsern und Spektiven einen Neststandort orten, wird rundherum in einem Durchmesser vor etwa 15 Metern ein Elektrozaun gestellt. Der stört das Elternpaar erfahrungsgemäß kaum, hält aber bodengebundene Fraßfeinde draußen. Weil die Küken Nestflüchter sind, muss das Hindernis kurz vor dem Schlüpfen wieder entfernt werden."

Aus der Studie von Langgemach & Bellebaum (2005):  "Kleinflächige Einzäunungen sind zielgerichtet und erfolgreich gegen Bodenprädatoren einsetzbar (RIMMER & DEBLINGER 1990; KOKS & VISSER 2000; RYSLAVY 2005). Erfolgversprechend waren auch Versuche mit Elektrozäunen bei zehn Brachvogelgelegen am Oberrhein, von denen acht schlüpften, während alle ungeschützten Gelege erfolglos waren (M. BOSCHERT, in Vorb.). Dieser Versuch wird fortgeführt. Arbeits- und Kontrollaufwand können je nach verwendetem Material gering sein. Bei der Umzäunung einzelner Gelege traten auch keine Probleme mit dem Spannungsabfall durch aufwachsende Vegetation auf, sofern Batteriekapazität und Spannungsabfall vorher berechnet wurden (M. BOSCHERT, pers. Mitt.). Gute Vorbereitung ist also eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Bei Goldre- genpfeifern war die Kombination von Elektrozäunen, „Nestbeschermern“, Bewachung und Geruchsmitteln erfolgreich (DEGEN 2004, zu Geruchsmitteln s. jedoch 3.3.3.)." 

"Bodenprädatoren lassen sich durch dauerhaft installierte oder mobile Zäune von bestimmten Flächen fernhalten (Beispiele bei BAKER & MACDONALD 1999). Dazu bieten sich v. a. Inseln oder Halbinseln an. Natürlich ist dafür zu sorgen, dass die fernzuhaltenden Prädatoren zu Beginn der Brutzeit tatsächlich nicht im eingezäunten Bereich anzutreffen sind."

Dieser Schutz zum Ausschluss von Bodenprädatoren ist bis zum Anstieg einer Wiesenvogelpopulation, welche sich wieder selber schützen kann, eine sehr gute und vor allem unblutige Möglichkeit!

3. Wiesenvögeln helfen, ihre natürliche Abwehr wieder ausführen zu können

NABU Schleswig-Holstein sagte dazu: "Bei all diesen aufwendigen Maßnahmen sollten die Wiesenvogelarten jedoch auch in ihren natürlichen Strategien zur Feindabwehr unterstützt werden. So können sich in geeigneten Lebensräumen lockere Kolonien ausbilden, die beim Vertreiben von Prädatoren effektiver sind. Insbesondere Kiebitz und Uferschnepfe bevorzugen offene, wenig strukturierte Landschaften, um herannahende Feinde rechtzeitig zu bemerken und zu vertreiben Dies würde auch die Produktion von Nachgelegen fördern. Kiebitze können, wenn über einen ausreichenden Zeitraum geeignete Brut- und Nahrungshabitate zur Verfügung stehen, Verluste bis zu viermal ersetzen. Auf diese natürlichen Strategien der Feindabwehr der Wiesenvögel wirkt sich auch eine hohe Nahrungsverfügbarkeit positiv aus. Eigene Beobachtungen belegen, dass diese Bedingungen großflächig gegeben sein sollten, um den Einfluss der Prädation zu minimieren."

Ein Ornithologe, mit welchem die Bürgerinitiative Pro Fuchs Ostfriesland e.V. zusammen arbeitet, sagte hierzu: "Lasst nur 10 Kiebitze auf einem Feld brüten. KEIN Fuchs, Marder oder Co. hat auch nur den Hauch einer Chance, an das Nest zu kommen."

 4. Fuchsjagd einstellen

17 Studien zeigen - Fuchsjagd lässt die Fuchspopulation ansteigen oder sorgt (wie andere Erkenntnisse zeigen) aufgrund der Erhöhung der Zuwanderung von Füchsen für mehr Prädation und Unruhe in Wiesenvogelgebieten! Werden Füchse im Brutgebiet von Bodenbrütern bejagt, entsteht förmlich ein Vakuum, welches andere Füchse zuwandern lässt und auch Raum für andere Prädatoren schafft. „Da Füchse territorial organisiert sind und infolgedessen ihr Revier nicht nur gegen eindringende füchsische Artgenossen, sondern auch gegen andere Prädatoren wie Steinmarder oder Iltis verteidigen, halten sie den Prädationsdruck auf die bedrohte Vogelpopulation auf einem konstanten Niveau. Dieses Niveau ist überdies verhältnismäßig niedrig, weil Füchse den seltenen Vögeln nicht gezielt nachstellen (SEYMOUR et al., 2003), sondern sich in erster Linie an ihre Hauptbeute – in aller Regel Mäuse und Kaninchen – halten, und ihre bevorzugten Aufenthaltsorte und Pässe überdies den Vögeln bekannt sind. Werden die betreffenden territorialen Standfüchse nun jedoch weggeschossen, kann das Revier nicht mehr verteidigt werden, und wie bereits erwähnt, hat ein solches Vakuum eine regelrechte Sogwirkung auf vagabundierende Jungfüchse zur Folge. Damit wächst der Prädationsdruck auf die Vögel womöglich sogar an; das ursprüngliche Vorhaben - nämlich die Beutetiere der Füchse zu schützen - ist gescheitert. Ganz davon abgesehen, reagieren viele Vogelarten insbesondere in der Brut- und Aufzuchtzeit sehr empfindlich auf menschliche Störungen; der Abschuss von Füchsen würde infolgedessen unvermeidbar zu Gelegeverlusten und erhöhter Mortalitätsrate bei unselbständigen Jungtieren führen. Lediglich Schutzzäune erscheinen als menschlicher Eingriff in dieses Räuber-Beute-System bisweilen sinnvoll (SWAAN, 1997; PATTERSON, 1977).“

Durch die Fuchsjagd kann die Fuchsdichte in der Fläche nicht reduziert werden, weil Verluste durch einwandernde Tiere sowie steigende Geburtenraten ausgeglichen werden. 

Werden Füchse nicht bejagt, steigt die Populationsdichte in der Regel nicht an, weil Füchse bei hohen Dichten in sozialen Gruppen zusammenleben, in denen nur die dominante Füchsin Nachwuchs bekommt (“Geburtenbeschränkung statt Massenelend” kommentierte der Biologe Erik Zimen dieses Phänomen).

Offensichtlich hindern soziale sowie hormonelle Faktoren die anderen Füchsinnen in einer solchen Gruppe daran, selber Nachwuchs zu bekommen. 

Wenn also weniger Füchse vor allem in Wiesenvogelschutzgebieten vorhanden sein sollen, warum wird dann eine Jagd auf sie ausgeführt? Und dann stellt sich noch die Frage, ob das Töten von Füchsen und anderen Prädatoren zum angeblichen Schutz gefährdeter Arten ein legitimer Grund im Sinne des Tierschutzes ist...

Wie können Füchse bei den Wiesenvogelschutzprojekten eine Hilfe sein? 

 Füchse sorgen dafür, dass andere Prädatoren, wie Ratte und Marder nicht überhand nehmen. Es sollte die Biologie zwischen Beute und Beutegreifer - welche sich über Jahrtausende bewährt hat und für ein ökologisches Gleichgewicht und die Eindämmung von Seuchen sorgt – endlich ausgelebt werden lassen!

Jedoch hat in Wiesenvogelschutzgebieten die Jagd auf Prädatoren – aus Sicht der konventionellen Jägerschaft und der von ihnen beeinflussten Naturschutzverbände und Politik –  immer noch höchste Priorität. Hunderte erschossener, in Fallen gefangener Beutegreifer liegen hinter jedem Nest der Wiesenlimikolen.

Das nennen wir Verminderung der Artenvielfalt und Vergehen gegen das Tierschutzgesetz. Es ist kein Artenschutz, eine Tierart im Namen einer anderen Tierart gebietsweise auszurotten. Und die Prädation ist auch nicht die eigentliche Ursache der Verluste der Wiesenlimikolen. Die Niederländische Studie „Predatie bij Weidevogels Op zoek naar de mogelijke effecten van predatie op de Weidevogelstand“ verweist darauf, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Bewirtschaftung der Felder und der Erhöhung der Prädation von Nestern. Erst das Zerstören der natürlichen Lebensräume für die Wiesenlimikolen ermöglicht eine Erhöhung der Prädation.  


Kämpfen wir also dafür, dass die Füchse wieder ihrer natürlichen Arbeit nachgehen können: Gesundheitspolizisten für uns, das Niederwild und für die Wiesenbrüter.

Solange die Wiesenbrüter durch die derzeitige Agrarpolitik an den Rand der Ausrottung gebracht werden, sollte dafür gesorgt werden, dass unblutige Maßnahmen die Population der Wiesenvögel wieder ansteigen lassen! 

Und ja: DIES IST MÖGLICH!